
URBANI-KAPELLE
RATSCH AN DER WEINSTRASSE
Die Gemeinde Ratsch an der Weinstraße gehört zur Pfarre Gamlitz. Schon am Beginn des 20. Jahrhunderts bestand in Ratsch das Bestreben eine eigene Kapelle zu bauen. Aus verschiedenen nicht näher bekannten Umständen ist dieses Vorhaben jedoch gescheitert.
Erst Mitte der Sechzigerjahre wurde vom Ratscher Weinbauer Alexius Zweytick der Gedanke wieder aufgenommen. Durch verschiede Veranstaltungen wurde die finanzielle Grundlage geschaffen den Kapellenbau zu verwirklichen. Ing. Walter aus Graz zeichnete einen Plan, der die Zustimmung des Bischöflichen Ordinariates der Diözese Graz-Seckau und der Ratscher Bevölkerung fand. So konnte 1970 unter der Leitung des Baumeisters Josef Unger aus Ratsch, der bis zum Jahr 2002 zuerst Obmann der Kapellenbaugemeinschaft und später Obmann des Kapellenerhaltungsausschusses war, mit dem Bau begonnen werden. Unter tatkräftiger Mithilfe der Gemeindebewohner wurde die Kapelle im Frühjahr1972 fertig gestellt und konnte am 20. August 1972 durch Dompfarrer Gottfried Lafer dem Schutzpatron, dem heiligen Urban, geweiht werden.
St. Urban ist seit dem Mittelalter der wichtigste Weinheilige - auch der Steiermark - der vor allem im ehemaligen Unterland besonders intensiv verehrt wurde, wovon viele Kirchen, Kapellen und Bildstöcke Zeugnis ablegen. Diesseits der Grenze jedoch steht nunmehr in Ratsch das einzige Kirchlein des Landes, das dem hl. Urban geweiht ist.
Die Gestaltung des Innenraumes besorgte der weststeirische Künstler Franz Weiß. In den Wandmalereien, in denen sich der Farbenreichtum der südsteirischen Landschaft spiegelt, zeigt er Ausschnitte aus dem Leben Jesu, von der Geburt zu Bethlehem bis zur Auferstehung, und stellt Maria als Mutter und Urbild der Kirche dar, umgeben von Heiligen, die von alters her besondere Verehrung durch die ländliche Bevölkerung genießen.
Immer wieder nimmt der Künstler Bezug auf Gleichnisse der Heiligen Schrift, die sich auf Weinberg, Weinstock und Rebe zurückführen lassen, so zum Beispiel in der Darstellung Jesu als Keltertreter: Der Erlöser steht als Schmerzensmann unter dem Pressbaum, er gibt sein Leben für uns hin, sein Blut fließt in einen Kelch.
Und der Patron des Kirchleins, der auf der Türe zur Sakristei dargestellt ist, hält in der linken Hand neben dem Buch eine Traube: ein altes Symbol für Christus am Kreuz, der durch sein Leiden und Sterben Erlösung gebracht hat.

Sämtliche Ausgaben für die Erhaltung und weitere Ausgestaltung wurden aus den Einnahmen des alljährlichen durchgeführten Urbanifestes unter Kassier und Mesner Alois Gross ermöglicht. Frau Josefa Ettl ist die derzeitige Obfrau des Kapellenerhaltungssausschusses.
Im Rahmen des Urbanifestes im Juni 2008 fand die feierliche Einweihung bzw. Enthüllung des „Monument of Kindness“ am Urbaniplatz statt. Bildhauer Gregory Pototsky fertigte diese Bronzeskulptur und beabsichtigt mit der Stiftung dieses Denkmals, die Festigung der nachbarlichen Beziehungen zwischen den Staaten.
Gottesdienste werden in der Ratscher Urbani-Kapelle an jedem ersten Montag im Monat um 18.30Uhr (19.30 Uhr) gefeiert. An allen Tagen aber ist das schmucke Kirchlein das Ziel vieler Menschen: als Ort des Gebetes und der stillen Einkehr.

